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Das Riesengeschäft
Ein neuer Pharao ist geboren. Sofort werden die besten
Architekten herbeigerufen, um für ihn ein noch prachtvolleres Grab zu bauen,
als für seinen noch lebenden Vorgänger. Der Ruhm des göttlichen Sprosses soll
auch die Ewigkeit überleben, und umso mehr Sklaven dabei ihr Leben lassen, desto
tiefer prägt er sich in die geschichtliche Erinnerung der Menschheit ein.
Wenn sein Denkmal lange genug bestehen bleibt, werden sich vielleicht auch
die Kamele an diesen Wahnsinn erinnern, weil sie für Generationen immer
wieder den gleichen Steinhaufen umgehen müssen. Wir wissen teilweise auch, ob
dieser Herr über Leben und Tod, dem noch lebendige Verrückte ins Grab
folgten, um ihm auch im Jenseits zu dienen, vergiftet oder in den Rücken
gestochen wurde, weil sein mumifizierter Körper bis heute den Würmern und dem
natürlichen Kreislauf entzogen blieb.
Auf den kleinen Inseln Polynesiens ist es nicht ganz so
schlimm, weil sich dort der Reichtum nicht in unvergänglichem Gold, Diamanten
und Steinen misst, sondern in Holz und Lebensmitteln, also in Verderblichem.
Ungefähr ein halbes Jahr vor dem Tod eines wohlhabenden Alten, wenn man schon
sieht, dass es mit ihm zu Ende geht, wird ihm ein Haus aus Holz gezimmert und
mit Blumen geschmückt, die natürlich ziemlich schnell verwelken.
Trotzdem gibt es auch in Asien Abergläubige, die
angeblich ihrer Geliebten ein Taj Mahal errichten ließen oder einen
chinesischen Kaiser, der auf der anderen Seite von Tausenden Soldaten
begleitet werden wollte.
Oder was soll man über Attila sagen, dessen Grab
angeblich durch kurzzeitiges Umleiten eines Flusses in dessen Flussbett
gelegt wurde.
Ovidius dagegen schaffte sich eine originellere Methode,
um sich unsterblich zu machen. Er schrieb, was wir auch heute noch lesen. Wer
würde sich an den Kaiser erinnern, der den Dichter damals in eine
Strafkolonie vertrieb. Dieser Kulturbanause hieß übrigens Augustus.
Mausoleum ist hier aber wohl das eindeutigste Beispiel,
da es der ganzen Sache seinen heutigen Namen gab.
Ob nun jemand seinen Namen oder die Erinnerung an sich
selbst unsterblich machen will, oder an ein Leben nach dem Tod im Jenseits
glaubt, ist an dieser Stelle unwichtig, weil beides Sinnen in die gleiche
Richtung führt. Viel interessanter ist, dass daraus in Jahrtausenden ein
gewinnbringendes Geschäft geworden ist. Ob die Nachkommen für ein genügend
auffälliges Denkmal sorgen, oder der zu Sterbende selbst lange vor seinem Tod
die nötigen Mittel zurücklegt, ändert auch nichts an der Tatsache, dass darauf
eine ganze Industrie aufbaut. Neben Beerdigungsunternehmen entstanden sogar neue
Zweige.
Für viele ist der Tod des Nahestehenden meist ein Schock
und Grund tiefster Trauer, oder manchmal Erleichterung nach langer Krankheit,
aber fast immer eine finanzielle Herausforderung. Man führe sich nur die
entstehenden Kosten, wie Sarg Grab, Grabstein und das Festmahl zu seinen
Ehren vor Augen.
Und nun kamen ganz Listige auf die Idee, die Beerdigung
zu versichern. Jeden Monat wird ein wenig Geld für diesen Zweck auf die Seite
gelegt. Bis zu diesem Punkt wäre das alles noch gar kein Problem. Die
monatliche Rate wird nach Kostenanschlag für den vorgesehenen letzten Ruheort
und gegenwärtiges Alter des zu Sterbenden festgelegt. Eine Versicherung ist
natürlich kein Sozialamt, sondern ein Geschäft. Und so wird berechnet wie
lange der zukünftige Tote noch leben muss, damit es für die Versicherung kein
Verlustgeschäft wird, oder noch leben darf, um nicht zu viel zu bezahlen.
Aber da natürlich im Allgemeinen jeder versucht, so lange wie möglich im
Diesseits zu verbringen, ist der Gewinn der Versicherung fast garantiert. Was
für ein Pech für den, der zu lange lebt!
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Das Riesengeschäft
Monday, 2 November 2015
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